Wie wirtschaftsfreundlich stimmt Schwyz?
Mit einem eigens erarbeiteten Rating macht der H+I – Der Schwyzer Wirtschaftsverband erstmals sichtbar, wie wirtschaftsfreundlich die Mitglieder des Schwyzer Kantonsrats im Jahr 2025 abgestimmt haben. Die Auswertung basiert auf 34 wirtschaftsrelevanten Geschäften und soll eine faktenbasierte Einordnung politischer Positionierungen ermöglichen.
Der H+I – Der Schwyzer Wirtschaftsverband legt damit erstmals eine strukturierte Bewertung des Abstimmungsverhaltens im Schwyzer Kantonsrat vor. Im Fokus standen ausschliesslich Geschäfte mit direkter wirtschaftspolitischer Relevanz, also Vorlagen, die sich auf Wirtschaftskraft und Standortqualität des Kantons auswirken (können).
Repräsentative Auswahl
Dass eine solche Auswertung heute möglich ist, hängt auch mit der elektronischen Erfassung sämtlicher Beschlüsse im Kantonsrat zusammen. Zwar wäre damit theoretisch eine vollständige Beurteilung aller relevanten Geschäfte denkbar, doch aufgrund teilweise ähnlicher Fragestellungen entschied sich der H+I bewusst für eine repräsentative Auswahl.
Die Auswahl der berücksichtigten Geschäfte 2025 traf eine Arbeitsgruppe bestehend aus H+I-Präsident Ivo Huber, Kantonsrat und H+I-Vorstandsmitglied Severin Isenschmid, Alt-Kantonsrat und H+I-Vorstandsmitglied Christoph Weber und Alt-Kantonsrat, Säckelmeister und H+I-Vorstandsmitglied René Baggenstos.
Bewertung und Vorgehen
Jedes der 34 ausgewählten Geschäfte wurde entweder als wirtschaftsfreundlich mit +2 Punkten oder als wirtschaftsunfreundlich mit -2 Punkten eingestuft. Bei Abwesenheit oder Stimmenthaltung von Kantonsräten wurden keine Punkte vergeben. Um die Vergleichbarkeit zu sichern, wurden Ratsmitglieder, die an weniger als der Hälfte der relevanten Abstimmungen teilgenommen hatten, nicht in die Auswertung miteinbezogen.
Das schliesslich errechnete relative Rating gibt den Anteil der Abstimmungen an, bei denen ein Ratsmitglied sowohl an der Abstimmung teilgenommen als auch im Sinne des H+I abgestimmt hat. Anhand des erzielten Ratings erfolgt eine Einordnung in verschiedene Kategorien: Liegt das relative Rating unter 5 Prozent, gilt das Ratsmitglied als stark wirtschaftsunfreundlich. Werte zwischen 5 Prozent und 20 Prozent werden als wirtschaftsunfreundlich eingestuft, während ein Rating von 20 Prozent bis 35 Prozent als indifferent gilt. Ein relatives Rating zwischen 35 Prozent und 50 Prozent weist auf ein wirtschaftsfreundliches Abstimmungsverhalten hin. Überschreitet das Rating 50 Prozent, wird das Ratsmitglied als stark wirtschaftsfreundlich eingestuft.
Stark wirtschaftsfreundliche FDP
Besonders auffällig bei den Ergebnissen ist die parteipolitische Einordnung. Mit einem durchschnittlichen relativen Rating von 52,3 Prozent schwang die FDP obenaus und wurde als stark wirtschaftsfreundlich eingestuft. Dahinter folgen die GLP mit 38,1 Prozent und die SVP mit 37,4 Prozent, beide im Bereich wirtschaftsfreundlich. Die Mitte erreichte 33,7 Prozent und wurde als indifferent klassiert.
Am anderen Ende des Spektrums lagen SP/Grüne mit 10,8 Prozent und damit klar wirtschaftsunfreundlich. Bemerkenswert ist vor allem die grosse Bandbreite innerhalb der SVP: Sie vereint laut Rating sowohl sehr wirtschaftsfreundliche als auch wirtschaftsunfreundliche Stimmen.
Die Spitze des Rankings
Unter den zehn wirtschaftsfreundlichsten Kantonsrätinnen und Kantonsräten des Jahres 2025 finden sich mehrere Namen aus FDP und SVP. Genannt werden Dr. Daniel Burger (SVP), Stefan Christen (FDP), Pirmin Geisser (FDP), Adrian Imhof (FDP), Reto Keller (FDP), Sabrina Kessler-Schnyder (SVP), Roland Lutz (SVP), Manuel Mächler (SVP), Marc Nideröst (FDP) und Jan Stocker (SVP). Der H+I verzichtet bewusst auf die Veröffentlichung einer Gesamtliste aller Ratsmitglieder und fokussiert stattdessen auf die Spitze des Rankings.
Unter dem Strich zeichnet das neue Kantonsratsrating ein wirtschaftsnahes Bild der Schwyzer Politik: 60 Prozent des Rats bestanden 2025 aus wirtschaftsfreundlichen Politikerinnen und Politikern, während 14 Prozent der Wirtschaft klar negativ gegenüberstanden.
Sichtbarkeit verstärken
Für den H+I ist das Rating mehr als eine Momentaufnahme. Es ist ein Instrument, um wirtschaftspolitische Positionen sichtbarer zu machen und die Debatte über Standortqualität, Steuern, Infrastruktur, Bildung und Regulierungsdichte mit belastbaren Daten zu unterlegen. Genau darin liegt die eigentliche politische Sprengkraft dieses ersten Ratings: Es schafft Transparenz und erhöht den Druck, wirtschaftspolitische Entscheidungen künftig noch genauer zu erklären.
Der H+I ist sich bewusst, dass auch Eigenschaften wie wirtschaftspolitisches Verständnis, Überzeugungskraft, Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit zu tragfähigen Kompromissen wichtig sind, sich aber kaum objektiv messen lassen. Dennoch liefert das Abstimmungsverhalten im Ratsplenum ein aussagekräftiges Indiz für die politische Grundhaltung gegenüber wirtschaftsrelevanten Fragen. Das macht die Auswertung wichtig und zwar für Unternehmen, Verbände und alle, die wissen wollen, wie wirtschaftsnah die politische Entscheidungsfindung im Kanton Schwyz tatsächlich ist.