25 September 2019

H+I – Generalversammlung 25.9.2019 Waldstätterhof Brunnen

70 Gäste folgten der Einladung, darunter die Gäste und Regierungsräre Petra Steimen, Andreas Barraud, Kaspar Michel und Michael Stähli.

H+i 25 9 19 9788

 

H+I – Der Schwyzer Wirtschaftsverband auf Kurs

Der Vorstand lud alle Mitglieder und Vertreter aus Politik, Medien und Verbänden zur GV am 25. September 2019 um 16.00 Uhr in den Waldstätterhof in Brunnen ein. Das Interesse war gross, 70 Gäste folgten nicht nur der erfrischend kurz gehaltenen offiziellen Versammlung. Insbesondere erfreuten als Gäste die vier Regierungsvertreter Petra Steimen, Andreas Barraud, Michael Stähli und Kaspar Michel, der in einem Grusswort auch auf bevorstehende Steuersenkungen ansprach.

Der Präsident, Andreas Kümin des H+I, Der Schwyzer Wirtschaftsverband, begrüsste die Gäste und erläuterte die neue Strategie 2020+ als bereits gut auf Kurs unterwegs.
Vorstandsmitglied Ivo Huber erläuterte die Kommunikationsstrategie als wichtiger Fokus zur Wahrnehmung des Verbandes. Darin agieren insbesondere die neue Verbandsbezeichnung, die Imagebroschüre, ein neuer Webauftritt, das Verbandsorgan «Auslese» sowie ein griffiges Sponsoring. Die Vorstandsmitglieder Michael Tschümperlin stellten daraufhin die weiteren Veranstaltungstermine vor, Christoph Weber spannte einen wirtschaftspolitischen Bogen und Roman Weber präsentierte die Jahresrechnung und des Budget mit den Investitionsschwerpunkten. Im Revisionsbericht wurden die Vorstände entlastet. Zur Wiederwahl kamen die Vorstände Andreas Kümin, Ivo Huber, Peter Hilfiker, Markus Ross und Elio Vanoli. Die beiden Rechnungsprüfer Hans-Peter Breitenmoser und Waldemar Schäfer wurden ebenfalls in ihrem Amt bestätigt.

Karl Fisch, Präsident des Kantonal Schwyzerischen Gewerbeverbandes KSGV, bekräftigte in seiner Grussbotschaft eine engere Zusammenarbeit mit dem H+I, für die Förderung einer gemeinsam wirkungsstarken Produktivität im Kanton Schwyz. Nach einer kurzen Pause begeisterte ein spannender Vortag von Frau Mirjam Staub-Bisang, CEO und Bereichsleiterin von BlackRock Schweiz, in dem das Thema Nachhaltigkeit zunehmend Einzug in grosse Investitionsentscheidungen fliesse. Nach dem Vortrag lud der H+I die Gäste zu einem Apéro und Nachtessen im Waldstätterhof ein.

«Nachhaltige Unternehmen im Fokus der Investoren»
Die Referentin Mirjam Staub-Bisang ist Länderchefin für BlackRock Schweiz, der Fondsgesellschaft, der weltweit am meisten Geld anvertraut wird (gemäss Aussage auf deren Website). Für BlackRock arbeiten weltweit 1 900 Investmentexperten, 13 000 Mitarbeiter in 70 Büros in über 30 Ländern. Aktuell beträgt das Kundengeldvolumen in mehr als 100 Ländern 5,98 Bio. USD, was BlackRock zum international grössten unabhängigen Vermögensverwalter macht.

Zitat aus der Einladung des H+I: «Staub-Bisang ist Geschaftsleitungsmitglied von BlackRock EMEA sowie Senior Advisor für den Bereich BlackRock Sustainable lnvesting. Vor BlackRock war Mirjam Staub­Bisang CEO und Mitbegründerin der lIdependent Capital Group AG, einer auf nachhaltige Anlagen spezialisierten Vermogensverwaltungs – und Anlageberatungsfirma mit Niederlassungen in Zürich und Basel. Mirjam Staub-Bisang ist Rechtsanwaltin, promovierte an der Universitat Zürich und erwarb ein MBA am Europaischen Institut für Unternehmensführung (INSEAD). Sie verfasste die Standardwerke «Nachhaltige Anlagen für institutionelle lnvestoren» (NZZ 2011), «Sustainable lnvesting for lnstitutional investors: Risks, Regulations, Strategies» (Wiley 2012) sowie als Co-Autorin «Infrastructure as an Asset Class» (Wiley 2016).»

Was darf unter nachhaltigem Investmement verstanden werden?
Eine heute griffige Erklärung meint damit das langfristige, klimaneutrale Anlegen in globale, umwelt- und sozialfreundliche Aktien. So soll der CO2-Fussabdruck verringert und eine «nachhaltige» Wirtschaft gefördert werden.
Diesem Ansatz begegneten Investoren anfänglich skeptisch bis ablehnend. Heute hat die Forderung nach klimaneutralen Investments eine höhere Bedeutung erreicht, da sich Konflikte im Umgang mit der Klimaveränderung nicht mehr leugnen lassen. Wobei weiterhin im Raum steht, was letztendlich die Klimaveränderung mit beeinflusst, sind weltweit Diskussionen im Gang. Ein Risikofaktor wird dem CO2 zugeschrieben, das als «Spurengas» problematisch gilt und dessen prozentualer Anstieg in der Atmosphäre (0.03 – 0.04 %) künftig zu vermeiden und sogar zu reduzieren sei. Man will ich darin einig sein, dass 3 % von 0.03 % CO2 in der Atmosphäre menschengemacht ist und entscheidend mit zur Erderwärmung beitrage.

BlackRock nennt ergänzend nachhaltige Ressourcen wie: Innere Werte, Produktivität zufriedener Mitarbeiter, Wasser und Energie. Das Unternehmen stelle fest, dass institutionelle Investoren (Versicherungen, Pensionskassen, Vermögensverwaltungen) und private Investoren sich zunehmend einem Druck durch Anleger beugen, denen neben Ökonomie auch die Ökologie zunehmend am Herzen läge. Zu den «grünen» Werte wachsen Frauenanteile in Unternehmen und insbesondere die Wirtschaftskraft von Millenials (Generation, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurde). Millenials erben in den nächsten 10 Jahren ein Vermögen von 24 Billionen USD. Es sei zu erwarten, dass sie diese Mittel bevorzugt in nachhaltige Projekte investiert würden. Die aktuelle Formierung von Jugendlichen in den weltweiten Klimaprotesten könne als ein weiteres Zeichen für eine Änderung der Werte in der Gesellschaft angesehen werden. Inwieweit dieser Werte-Veränderungsprozess bereits heute in das Wirtschaftsgeschehen greife blieb unklar. Ebenso, wie sich das auf die Finanzindustrie und die Realwirtschaft auswirke, die in sich nicht vergleichbar ist und jeweils andere Wertschöpfungsansätze verfolgt. Während die Finanzindustrie im Handel von Assets (Indizes, Rohstoffen, Währungen, Anleihen) geschaffenes Vermögen bewirtschaftet, bewirtschaftet die Realwirtschaft Produktivmittel (Mitarbeiter, Produktionsanlagen, Prozesse), die erst Vermögen schaffen.

Staub-Bisang wies auf eine notwendige Taxionomie hin (Klassifikationsschema), nach der Nachhaltigkeit künftig bewertet werden müsse. Dazu seien Wirtschaftssysteme zu differenzieren, die jeweils in den USA, dem Asienmarkt, der EU oder in der Schweiz andere Prämissen haben. Nachhaltigkeit kann eine launische Diva sein, deren wahren Absichten und ihre Zufriedenstellung nicht vorhersehbar sei. Als Schnittstellenwert könne aber beobachtet werden, dass sich weltweit der Umgang mit Ressourcen ändere, auch der Umgang unter Führungskräften, zwischen Teams und der persönlichen Aufwertung der Mitarbeiter sowie deren Leistungsumgebungen. Im Dreiklang von People, Planet und Profit, müsste wieder mehr eine Verbindung des Menschen mit seiner Umwelt als Schlüsselfaktor für den Profit begriffen werden.

Die Ausführungen von Staub-Bisang gaben im Anschluss nach dem Vortrag unter den Gästen viel zu reden. In den Diskussionen wurden viele Aspekte aufgegriffen, deren Vereinbarkeit mit dem Begriff Nachhaltigkeit noch keine schlüssigen Antworten lieferten. Insofern blieb offen, wie eine Klassifizierung lauten müsse und wie sie umgesetzt werden könnte.

© Axel B. Bott, 29.9.2019