Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Umfrage zur 3. Oberstufe
Viele Lernende starten mit guten digitalen, aber schwächeren schulischen Grundkompetenzen in die Lehre: Vor allem bei der Rechtschreibung, Kopfrechnen und logischem Denken zeigen sich Defizite. Gleichzeitig bereitet der Übergang von der Oberstufe in den Berufsalltag vielen Schwierigkeiten. Zu «lasch» sei das letzte Schuljahr, finden viele der Befragten, und fordern eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben.
Anfang Jahr fand im Rahmen des ersten H+I-Lunches im World Café Format ein lebendiger und ergebnisorientierter Austausch unter den Mitgliedern zu den H+I-Strategiethemen Steuern, Standortattraktivität und Bildung statt. In lockeren, moderierten Gesprächsrunden wurden konkrete und umsetzbare Impulse für das zukünftige proaktive Engagement des H+I gewonnen.
Aus den gewinnbringenden Diskussionen, kreativen Ideen und Lösungsansätzen kristallisierte sich das diesjährige Schwerpunktthema Bildung heraus. Um ein vollumfängliches Bild zu erhalten, lancierte der H+I im Anschluss eine grossausgelegte Umfrage zur dritten Oberstufe, da diese im World Café Format einen Hauptdiskussionspunkt darstellte. Die wichtigsten Umfrageerkenntnisse möchten wir an dieser Stelle gerne teilen.
Defizite in Rechtschreibung und Kopfrechnen
Auch wenn die schulischen Grundkompetenzen der Lernenden insgesamt zumeist als gut oder zumindest genügend bewertet wurden, würden sich vor allem Defizite bei der Deutschen Rechtschreibung und Orthografie oder auch im Kopfrechnen zeigen. Ebenfalls würden sich Defizite im logischen und verknüpften Denken zeigen bzw. in allem, was ohne technische Hilfsmittel erledigt werden muss, wie einer der Befragten genauer ausführt.
Die digitalen Kompetenzen hingegen wurden zumeist als gut bewertet, mit Ausnahme des Beherrschens des 10-Finger-Systems. Hinsichtlich Zeitmanagement und Eigeninitiative müssten viele Lernende zu Lehrbeginn erst noch «geweckt» werden, da der Übergang von der Oberstufe zur Lehre hin doch eine grosse Veränderung darzustellen scheine. Zudem seien diese Kompetenzen inklusive der Sozialkompetenz sehr Charakterabhängig und es gäbe immer Ausreisser nach unten und nach oben. Angemerkt wird ebenfalls, dass die Entwicklung von Sozialkompetenzen auch Aufgabe des Elternhauses sei. Ein «Danke» für die Möglichkeit, eine Schnupperlehre absolvieren zu dürfen, wäre beispielsweise angebracht.
Der Übergang 3. Oberstufe zur Lehre
Knapp 90 Prozent der Befragten sagen, dass Lernende zumindest teilweise Mühe hätten, sich wieder an einen geregelten Alltag gewöhnen zu müssen. Über 95 Prozent der befragten geben dann auch an, dass die 3. Oberstufe zumindest teilweise «zu lasch» sei. Ein verbindlicher Leistungstest zum Ende der dritten Oberstufe befürwortet ebenfalls eine grosse Mehrheit. Ergänzend stimmen fast alle Befragten der Frage, ob Handwerksberufe zu wenig früh oder zu wenig attraktiv vermittelt würden, zumindest teilweise zu.
Zusammenarbeit mit der 3. Oberstufe
Über 70 Prozent der Befragten würden es begrüssen, wenn die 3. Oberstufe künftig drei bis vier unterschiedliche «Unterrichtsmodule», abgestimmt auf die angestrebte Berufswahl, anbieten würde. Rund 60 Prozent wären dann auch bereit, sich an einem solch berufsspezifischen Unterricht zu beteiligen.
Ganz klar ist der Wunsch nach einer Zusammenarbeit da: Knapp 80 Prozent wären bereit, Lehrpersonen der Oberstufe und Lernende zu einem Austausch einzuladen, um die schulische Vorbereitung und die betriebliche Realität besser aufeinander abzustimmen. Sogar über 80 Prozent würden Lernende aus dem 2. Lehrjahr für einen Besuch in der 3. Oberstufe zur Verfügung stellen, damit diese Schülerinnen und Schülern aus erster Hand vom Übertritt in die Lehre berichten können.