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Positionspapier des H+I – Der Schwyzer Wirtschaftsverband zur aktuellen US-Zollpolitik

August 2025

Die von der US-Regierung verhängten Strafzölle in Höhe von 39 Prozent auf zahlreiche Schweizer Exportgüter sorgen in der Schweizer Wirtschaft für erhebliche Verunsicherung. Auch im Kanton Schwyz, wo einige Unternehmen stark exportorientiert sind, wird die Massnahme mit grosser Sorge betrachtet. Für viele Betriebe bedeuten die neuen Zölle nicht nur höhere Kosten, sondern auch ernsthafte Gefahren für ihre Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Investitionssicherheit.

Die Zölle betreffen vor allem Produkte der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie der Uhrenbranche: Sektoren, in denen auch im Kanton Schwyz innovative Firmen tätig sind. Zwar sind Pharmaprodukte und Gold, die beiden wichtigsten Exportgüter der Schweiz in die USA, bisher ausgenommen, dennoch bleibt die wirtschaftliche Tragweite der neuen Regelung beträchtlich. Die pauschale Einführung solcher Strafzölle auf einen derart breiten Güterkorb ist aus Sicht des H+I nicht nachvollziehbar und steht im klaren Widerspruch zu den Prinzipien eines offenen und regelbasierten Welthandels.

Die USA sind seit Jahren der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Im Jahr 2024 gingen rund 18 Prozent aller Schweizer Warenexporte – ohne Edelmetalle – in die Vereinigten Staaten. Damit übertraf die Schweiz selbst unsere direkten Nachbarn wie Deutschland, Italien und Frankreich. Der Export in die USA trägt schätzungsweise rund vier Prozent zum Bruttoinlandprodukt der Schweiz bei: ein beachtlicher Wert für eine Volkswirtschaft, die stark auf Qualität, Spezialisierung und offene Märkte angewiesen ist.

Die Bedeutung dieses Markts zeigt sich auch im Kanton Schwyz. Zahlreiche international tätige Unternehmen haben über Jahre hinweg in Kundenbeziehungen, Vertriebskanäle und Marktzugänge in den USA investiert. Diese Investitionen beruhen auf Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen – ein Vertrauen, das durch den abrupten und unilateral durchgesetzten Zollentscheid nun stark erschüttert wird.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind schwer abzuschätzen, doch erste Berechnungen zeichnen ein klares Bild: Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich rechnet je nach Ausgestaltung der Zollregelung mit einem Rückgang des Schweizer Bruttoinlandprodukts um 0,3 bis 0,6 Prozent pro Jahr, was einem gesamtwirtschaftlichen Schaden zwischen 2,5 und 5 Milliarden Franken entspricht. Sollte die US-Regierung auch Pharmaprodukte mit 39 Prozent Zoll belegen, könnte der Rückgang sogar 0,7 Prozent übersteigen. Und das sind konservative Schätzungen, die allfällige Folgewirkungen auf die Weltwirtschaft oder die Verunsicherung in den globalen Lieferketten noch nicht einbeziehen.

Hinzu kommen mögliche Arbeitsplatzverluste. Gemäss Schätzungen von BAK Economics könnten durch die Strafzölle bis zu 12’500 Stellen in der Schweiz gefährdet sein. Besonders betroffen wären exportorientierte KMU mit geringem Spielraum zur Kostenverlagerung oder Produktionsauslagerung. Unternehmen, die in Nischenmärkten tätig sind oder wenig Marktmacht besitzen, können die Mehrkosten kaum an ihre Kunden weitergeben und geraten dadurch zusätzlich unter Druck.

Auch im Kanton Schwyz sind Arbeitsplätze direkt vom Exportgeschäft mit den USA abhängig. Es ist davon auszugehen, dass auch hier Stellen gefährdet sind – insbesondere in exportstarken Unternehmen.

Für den H+I ist klar: Die Massnahme der US-Regierung ist nicht nur ökonomisch schädlich, sondern auch politisch problematisch. Sie ignoriert die verlässliche Rolle, welche die Schweiz seit Jahrzehnten als wirtschaftlicher Partner spielt. Die Schweiz ist ein Land, das keine Subventionsexzesse kennt, hohe Standards einhält und eine transparente Handelspolitik verfolgt. In dieser Rolle nun mit willkürlichen Massnahmen belegt zu werden, ist ein fatales Signal – nicht nur für die Schweiz, sondern für alle Länder, die sich an die Regeln des freien Welthandels halten.

In dieser Situation ist die Schweizer Politik gefordert. Der H+I erwartet vom Bundesrat weitere diplomatische Initiative, klare Botschaften gegenüber der US-Administration und, wo möglich, auch konstruktive Angebote, die der amerikanischen Regierung eine gesichtswahrende Lösung ermöglicht. In einem Umfeld, das zunehmend geopolitisch geprägt ist, genügt es nicht mehr, auf Prinzipien zu pochen. Vielmehr muss die Schweiz bereit sein, pragmatisch und vorausschauend zu handeln, um den Marktzugang für ihre Wirtschaft zu sichern.

Gleichzeitig sind auch die Unternehmen selbst gefordert. Die gegenwärtige Lage unterstreicht die Notwendigkeit, sich breiter aufzustellen. Die Diversifikation von Absatzmärkten, Investitionen in neue Exportregionen und der Aufbau resilienter Lieferketten sind keine Kür, sondern strategische Pflicht. Zudem zeigt sich, dass Investitionen in Effizienz, Innovation und Qualität nach wie vor die beste Versicherung gegen globale Marktrisiken darstellen.

Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen stehen auf dem Prüfstand. Der H+I als Stimme der Schwyzer Wirtschaft warnt davor, diese Belastungsprobe auf die leichte Schulter zu nehmen. Gerade kleine und mittelgrosse Unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft bilden, geraten durch solche Entwicklungen schnell an ihre Grenzen.

Der Verband setzt sich deshalb aktiv dafür ein, dass die berechtigten Anliegen der exportorientierten Unternehmen gehört werden. Verlässliche Handelsbeziehungen mit den USA bleiben für die Schweiz von strategischer Bedeutung – für Wachstum, für Innovation und für Arbeitsplätze.

Die Politik ist jetzt in der Pflicht, dem Freihandel wieder eine Stimme zu geben. Denn ohne fairen Zugang zu den globalen Märkten kann die Schweiz ihr Erfolgsmodell nicht fortschreiben.

Es wird viele Unternehmen in der Schweiz hart treffen – direkt und indirekt. Aber, es gibt neben der USA weitere Märkte, die für die Schweizer Exportwirtschaft von grosser Bedeutung sind. Die Schweizer Unternehmer haben bis anhin immer bewiesen, sich in schwierigen Situationen zu behaupten, neue Absatzmärkte zu erschliessen, Nischenmärkte zu besetzen und neue Wege zu erproben.

H+I – Der Schwyzer Wirtschaftsverband
Ivo Huber, Präsident

 

Bild: mit KI erstellt


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